Das St. Agatha Krankenhaus Köln feierte 2016 sein 111-jähriges Bestehen

111 Jahre St. Agatha Krankenhaus

Ein kölscher Geburtstag

Am 5. Februar 1905, zum Fest seiner Namenspatronin, nahm das neue Agatha-Kloster in Niehl den ersten Patienten auf. Diagnose: Schwindsucht. Zuvor hatten die wirtschaftlich flexiblen Cellitinnen schon Haushaltsschule und Kindergarten im Hause etabliert. Nun folgten in den Seitenflügeln also Pensionärsheim und Krankenhaus.

Krankenhäuser lagen um 1900 im Trend einer Zeit von Verstädterung und Verlust familiärer Fürsorge. So sorgten sich im St. Agatha Krankenhaus eine Handvoll Ärzte und Krankenschwestern um zuerst 60, dann 100 Patienten. Die Kranken blieben damals übrigens tagsüber nicht in ihren Betten, sondern halfen je nach Konstitution im Garten, in der Werkstatt oder in der Nähstube mit. Man lebte schließlich gemeinsam auf begrenztem Raum. Für diese Hausgemeinschaft gab es, wie die krakeligen Aufzeichnungen in den alten Rechnungsbüchern zeigen, auch täglich „jet zo süffele“. Nährstoffreiches Bier wurde nicht zuletzt aufgrund seines hohen Kaloriengehalts gern zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Dazu stelle man sich noch den Duft frisch gebackenen Brots vor, der allmorgendlich aus der Backstube im Keller durchs Haus zog. Abendliche Messen und sogar Prozessionen mit den Patienten rundeten das Bild eines fürsorglichen Veedelskrankenhauses ab. 

Als Niehl noch "ländlich" war

„Zwischendurch“ wurde auch medizinisch gearbeitet. Die Oberärzte Emil Willems und Carl Sonnenschein leiteten die Innere Medizin und Allgemeinchirugie für jeweils fast 40 Jahre. Daneben kümmerte sich von 1905 bis zum Ersten Weltkrieg der jüdische Belegarzt Prof. Isidor Steiner im Auftrag der Versicherungsträger im Haus um Nervenkrankheiten nach Unfallfolgen. Dr. med. Weischer vom Auguste-Viktoria-Spital in Rosbach/Sieg behandelte Patienten mit Lungenleiden im damals ländlichen Niehler St. Agatha Krankenhaus. 

Sein grünes Gesicht verlor das alte Fischerdorf Niehl in den folgenden Jahren mehr und mehr, nachdem Kölns umtriebiger Oberbürgermeister Konrad Adenauer zunächst südlich den Niehler Hafen und nördlich das heutige Industriegebiet angesiedelt hatte. Arbeitsschutz bei Ford und Co. steckte in den 1930er und -40er Jahren noch in den Kinderschuhen und so kamen viele Werktätige mit dem Vermerk „Berufsgenossenschaft“ im St. Agatha Krankenhaus unter das Röntgengerät bzw. in einen der Operationssäle.

Bis vor wenigen Jahren standen Ordensschwestern den Ärzten als Helferinnen, den Kranken als Pflegerinnen, den Menschen als Ansprechpartnerinnen und den Kleinen im Kindergarten als Erzieherinnen und Spielgefährtinnen zur Seite. Diesen Frauen verdankt das St. Agatha Krankenhaus seine Gegenwart; diesen dankt es an seinem 111. Geburtstag. 


Wie das St. Agatha Krankenhaus zu seinem Namen kam

Im Spätsommer des Jahres 1893 brach in den Stallungen der Heil- und Pflegeanstalt im Kloster Zülpich-Hoven ein Feuer aus. Die Ordensschwestern beteten um Hilfe. Durch den Einsatz zahlreicher Helfer, der Feuerwehr und dank eines einsetzenden Sturms, wurde das Feuer gelöscht und ein Übergreifen auf die Krankenräume verhindert. Aus Dank für den glimpflichen Ausgang beschloss die damalige Generaloberin, Mutter Materna Diefenthal, die nächste neue Einrichtung des Ordens der Heiligen Agatha zu widmen. So gesagt, so getan: Am St.-Agatha-Fest im Februar des Jahres 1905 wurde in Köln-Niehl das St. Agatha Krankenhaus eingeweiht. 


Das St. Agatha Krankenhaus feierte seine 111 Jahre mit einem großen Aktionstag am 23. September 2016. 

Nachdem zu Jahresbeginn bereits das Niehler Dreigestirn und die Roten Funken die Veedelsklinik zu Ehren des Jubiläums besucht hatten, öffnete das Krankenhaus nun seine Türen für alle Besucher. Mit einem bunten Programm für Groß und Klein, vielen Informationsständen und praktischen Demonstrationen bot das Krankenhaus seinen Besuchern intensive Einblicke in den Klinikalltag. Die Mitarbeiter aus Medizin und Pflege, Endoskopie, Hygiene, Ambulanz, Physio- und Ergotherapie erklärten ihre jeweiligen Arbeitsbereiche und informierten die Interessierten über die Leistungen der Abteilungen. Ebenso feierte auch die Kurzzeitpflege bereits ihr 11-jähriges Jubiläum. Ein Highlight war der Rollator-Parcours. Hier konnten junge und junggebliebene Kölner den „Rollator- Führerschein“ erwerben. Die KVB zeigte das sichere und richtige Verhalten in Bus und Bahn und die Polizei informierte die Anwesenden über aktuelle Präventionsmaßnahmen und Diebstahlschutz. Bei einer solchen Jubiläumsfeier sollte die Historie der Einrichtung natürlich nicht zu kurz kommen. Und so hat die Betriebsleitung an diesem Festtag des Krankenhauses mit einer ganz besonderen Geste an die Leistungen der Ordensschwestern erinnert. Für jede der sechs Schwestern, die zuletzt im Jahr 2004 im Hause tätig waren, wurde ein von Weihbischof em. Manfred Melzer feierlich gesegneter Rosenstock gepflanzt.  

Zurück

Weitere Artikel

Christliche Orientierung - Gründertradition

Gründertradition

Christliche Orientierung in unseren Einrichtungen